DAS THEMA "MENTAL HEALTH" AN DER EGE – AUSWERTUNG DER UMFRAGE

Wir haben es bereits gesagt und vertreten diese Meinung auch jetzt – wenn wir über mentale Gesundheit reden wollen, dann bedeutet das, dass wir darüber in möglichst großem Umfang sprechen müssen. Das Thema erfordert viele unterschiedliche individuelle Ansichten und Meinungen und deshalb haben wir euch befragt: Wir haben die gesamte Schülerschaft der EGE und die Lehrerschaft gebeten, eine Umfrage zum Thema „Mental Health“ durchzuführen, um uns einen tiefergehenden Einblick zu ermöglichen. Die Frage, die wir uns hierbei vor allem stellten, war, inwiefern das Thema in unserer Schule als relevant angesehen wird und inwieweit dies eine Rolle in eurem Schulalltag und in dem unserer LehrerInnen einnimmt.


Aus der Lehrerschaft haben sich 12 LehrerInnen beteiligt, bei den SchülerInnen haben 265 unsere Fragen beantwortet – inwiefern dies ein stellvertretenden Einblick gewährt und als repräsentativ gewertet werden kann, das überlassen wir euch an dieser Stelle selbst. Um uns zumindest einen groben EInblick zu gewähren, dienen die Ergebnisse der Umfrage allenfalls. Für uns als Redaktion steht fest: Besonders bei den LehrerInnen haben wir uns eine größere Beteiligung erhofft. Um euch einen kurzen Überblick zu gewähren, haben wir einige Fragen ausgewählt und die Ergebnisse kurz für euch zusammengefasst. Die genauen Ergebnisse zu allen Fragen haben wir euch am Ende des Artikels verlinkt.


 

Frage: Welche Rolle spielt das Thema „Mental Health“ in Deinem/Ihrem Leben? Das Thema ist für mich …

Die Frage sollte uns dabei helfen, zu erkennen, welchen Stellenwert das mentale Wohlergehen bei den SchülerInnen und bei den LehrerInnen am EGE einnimmt. Deutlich wurde: Von den befragten LehrerInnen gab die deutliche Mehrheit (67 %), an, dass dies für sie sehr relevant sei, gefolgt von einem Viertel der Befragten, für die das Thema etwas relevant sei. 8 % gaben an, dass sie das Thema als weniger relevant in ihrem Leben einschätzen, während keiner der befragten LehrerInnen behauptete, dass jenes Thema überhaupt nicht relevant sei. Deutlich wird hierbei also, dass bei dem Großteil der Befragten das Thema nicht nur präsent, sondern auch relevant zu sein scheint.


Bei den SchülerInnen weicht das Ergebnis dahingegen ab: Hier sagt der Großteil (45 %), dass das Thema etwas relevant ist, gefolgt von 34 %, für die das Thema sehr relevant ist. Für 15 % ist das Thema weniger relevant, für 6 % ist das Thema gar nicht bedeutsam. Dies zeigt, dass auch bei den SchülerInnen das mentale Wohlergehen relevant ist, bei ca. einem Fünftel der Befragten das Thema jedoch eine weniger relevante Rolle einzunehmen scheint.




Frage: Klären Sie Ihre Schüler/innen über das Thema ,,Mental Health” auf? / Wird über die psychische Gesundheit in der Schule bzw. in deiner Klasse, deiner Meinung nach, genügend aufgeklärt und gesprochen?

Beide Seiten, Schüler- und Lehrerschaft befragten wir, ob das Thema „Mental Health“ in der Klasse bzw. Schule besprochen werde. Überraschenderweise wichen hier die Auffassungen stark voneinander ab: Während ca. zwei Drittel der LehrerInnen (67 %) angab, dass sie das Thema in ihrem Unterricht aufgreifen würden, behauptete zwei Drittel der SchülerInnen, dass das Thema nicht genügend im schulischen Rahmen angesprochen und darüber aufgeklärt werde.


Besonders interessant erschient hierbei auch die Frage, die speziell den LehrerInnen zusätzlich gestellt wurde: Hier wurden diese gefragt, ob sie das Aufklären über und das Beraten rund um dieses Thema überhaupt zu ihren Aufgabenbereichen zählen. Hier gaben 92 % der LehrerInnen an, dass sie dies zu ihrem Aufgabenbereich zählen, lediglich 8 % verneinten diese Annahme.




Vertiefende Frage: In welcher Form sollte das Thema aufgegriffen werden?

Bei dieser offenen Frage haben wir euch dazu aufgefordert, zu erklären, wie ihr euch das Aufgreifen dieses Themas konkret vorstellt. Einige sprachen hier die Idee eines Workshops oder Projekttages an, in denen das Thema intensiv aufgegriffen werden könnte. Des Weiteren wurde hier vermehrt um Aufklärung gebeten, das könnte, euren Aussagen zufolge, in IWW stattfinden. Häufig wurde angebracht, dass ein solches Gespräch ebenfalls mit dem Beisein eines Profis stattfinden sollte, der für einen solchen Projekttag speziell eingeladen werden könnte.


Einige eurer Antworten lauteten:

„Der Druck, der von Lehrer*innen und Eltern ausgeht, ist bei manchen Schüler*innen so enorm. Es sollte unbedingt daran gearbeitet, dass Schüler*innen lernen, dass man diesem Erwartungsbild nicht entsprechen muss, vor allem nicht, wenn es die eigene Psyche kaputt macht. Es sollte immer wieder darauf hingewiesen werden, dass man sich zuerst um sich selbst und dann um die Schule kümmern sollte, denn sonst geht man irgendwann kaputt.“
„Im IWW Unterricht mehr. Besonders zu verschiedenen psychischen Krankheiten.“
„In einem Workshop“
„Projekttage, Dokus in IWW“
„Workshops, mal eine Projektwoche dazu“
„Workshops, wo die Leute damit in Kontakt kommen, und verstehen, dass mental health genauso wichtig ist wie physical health“
„Ich hätte gerne mal die Möglichkeit, in einer Art Kreis darüber zu sprechen.“
„Man könnte einen Psycholgen oder einen Sozialarbeiter (…) einladen, damit man aufgeklärt wird oder Fragen stellen kann.“
„So ein Frau Herzog-Tag / Kurs: Was kann man machen, um abzuschalten, sich gut zu fühlen? Methoden um mit Stress und Belastung gut umgehen zu können.“


Frage: Hast du das Gefühl, dass der Schulalltag deine mentale Gesundheit negativ beeinflusst?

Erschreckend deutlich zeichnete sich das Ergebnis dieser Frage ab: 80 % stimmten der Aussage, dass der Schulalltag ihre mentale Gesundheit negativ beeinflusse, zu. Nur 20% der Befragten behauptete das Gegenteil. Deutlich werden hierbei vor allem die zuvor häufig angesprochenen Gefühle von Druck und Stress, die als Ursachen dieses Ergebnisses aufgefasst werden können.


Vertiefende Frage: Falls ja: Wie häufig ist dies der Fall?

Wirft man einen Blick auf die Häufigkeit des negativen Einflusses durch die Schule, so wird deutlich, dass dies bei der Hälfte häufig, bei 34 % insbesondere während der Klausurphasen und/oder kurz vor den Zeugnissen der Fall und bei 16 % sogar immer der Fall sei. Besonders die 16 % erweisen sich für uns als Redaktion als ein erschreckendes Ergebnis, welches nach Veränderung ruft.

Bei der offenen Frage danach, was speziell für das mentale Unwohlsein führt, fielen insbesondere die Begriffe „Stress“ und „Druck", insbeosndere in Verbindung mit der Notengebung, besonders häufig. Der Eindruck, der dabei vermittelt wird, lässt vermuten, dass die starren Strukturen der schulischen Organisation und die Leistungsnachweise einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit der SchülerInnen haben.

Die Frage, die sich hierbei für uns stellt: Gibt es hierfür einen realistischen Ausweg?

Haben Sie das Gefühl, dass der Schulalltag Ihre mentale Gesundheit negativ beeinflusst?


Ähnlich wie das Ergebnis bei den SchülerInnen bei derselben Frage, geben auch hier die meisten Befragten Lehrer (83%) an, dass sie das Gefühl haben, dass der Schulalltag ihr mentales Wohlergehen negativ beeinflusst. Lediglich 17%, nicht einmal ein Fünftel, geben an, dass dies nicht der Fall sei.





Bist du /SInd Sie aktuell außerhalb der Schule (z.B. durch die familiäre Situation, Freundschaften, Partnerschaften etc.) gestresst bzw. ist dein/Ihr mentales Wohlergehen beeinträchtigt?

Bei dieser Frage gingen die Einschätzungen vonseiten der Lehrer- und Schülerschaft stark auseinander: Während drei Viertel der befragten LehrerInnen die Aussagen bejaht, ist dies nur bei der Hälfte der SchülerInnen der Fall. Die LehrerInnen gaben also wesentlich häufiger an, dass das mentale Wohlergehen durch den familiären Bereich negativ beeinflusst wird.

Erklären lässt sich dies eventuell dadurch, dass die befragten LehrerInnen größtenteils über eigene Familien und evtl. Kinder verfügen und deshalb dieses private Umfeld einen besonders hohen Stellenwert neben dem beruflichen Umfeld einnimmt. Bei den SchülerInnen ist dahingegen davon auszugehen, dass der schulische Alltag eng mit dem Privatleben verbunden ist und Ersteres daher einen deutlich höheren Stellenwert einnimmt.


Haben Sie das Gefühl, einen ausreichenden Überblick über die mentale Gesundheit Ihrer Schülerschaft zu haben?

100 % der befragten LehrerInnen gaben an, dass sie das Gefühl verspüren, keinen ausreichenden Überblick über das mentale Wohlergehen ihrer SchülerInnen zu haben. Die Frage, die sich hier für die Zukunft stellt, ist, wie es ermöglicht werden kann, dass SchülerInnen und LehrerInnen vermehrt ins Gespräch kommen und wie sich dabei beide Seiten möglichst verstanden fühlen.



Was wird sich von der Schule, vonseiten der SchülerInnen und LehrerInnen, gewünscht?



„Warum können Schüler teilweise nicht einmal EINE MINUTE bei einer Sache/einer Aufgabe bleiben und konzentriert und zielführend daran arbeiten? Das ist sehr bedenklich. Hinzu kommen die Sorgen der Schüler durch den Notendruck/Leistungsdruck. Die Lehrpläne sollten genauer angeschaut werden. Was ist sinnvoll, was nicht? Sollte man Noten abschaffen (zumindest in einigen Fächern) oder die Anzahl der Noten mindern? (…) Für uns Lehrer sind die Belastungen enorm hoch. Gefühlt habe ich in den letzten Monaten mehr damit zu tun, mich um die Schüler zu kümmern, als Unterrichtsstoff zu vermitteln (ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass das einem sinnvoller erscheint und auch Spaß macht). Trotzdem belasten Korrekturen, Vorbereitungen und vor allem der enorme organisatorische Aufwand sehr. In meiner Wahrnehmung sind Lehrer UND Schüler derzeit an der Leistungs- und Belastungsgrenze – und das schadet der mentalen Gesundheit enorm!“


Was zeigt uns die Umfrage?

Das Thema ist in der EGE allgegenwärtig und das Bedürfnis, darüber zu sprechen ist ebenfalls, sowohl bei den LehrerInnen als auch bei den SchülerInnen, definitiv vorhanden. Was fehlt, sind Angebote, um ins Gespräch zu kommen. Starre schulische Strukturen und Stress, der sich bei den befragten SchülerInnen und LehrerInnen deutlich bemerkbar macht, erschweren die Thematisierung.

Wir als Schülerzeitung erhoffen uns, dass diese Umfrage ein Anfang ist, um das Thema in den Fokus zu rücken und um Veränderungen zu bewirken. Mit diesen Ergebnissen der Umfrage, möchten wir gerne gemeinsam mit euch und den LehrerInnen überlegen, wie potentielle Lösungen aussehen könnten.


*** Umfrageergebnisse folgen in Kürze ***


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