TÜRCHEN 24: Der Weihnachtsfrieden von 1914

Heiligabend 1914. In den flämischen Schützengräben liegen sich in der Nähe von Ypern britische und deutsche Soldaten gegenüber, eingegraben in der Erde, stramm gehalten von der Kälte. So war das nicht geplant. Die deutsche Einnahme von Frankreich sollte ein kurzer Waffengang werden, es hieß: An Weihnachten sind wir wieder zu Hause. Richtig gemütlich so ein gefrorener Schützengraben im ersten Weltkrieg, oder? Aber es war Weihnachten. Und genau das veranlasste einen Soldaten, der früher Sänger gewesen war, Stille Nacht Heilige Nacht anzustimmen. Alles war ruhig, nur seine Kameraden versuchten, ihn leise zu bekommen – der Gesang könnte einen Gegenangriff herausfordern. Umso überraschter waren sie, als von drüben ebenfalls eine leise Stimme ertönte, die ebenfalls Silent Night Holy Night sang.

Man leuchtete mit Taschenlampen, stieg mutig auf das Zwischenfeld und lief sich entgegen. Es hätte jederzeit geschossen werden können – aber nicht in dieser Nacht. Die Soldate, zwanzig Kilometer von Ypern entfernt, schlossen einen Weihnachtsfrieden. Heute wird nicht geschossen. Sie teilten Zigaretten und Essen, sangen miteinander und zeigten sich gegenseitig Bilder ihrer Familien.


Das ist die Kraft von Weihnachten. Dort wo es am wenigsten passend scheint, schenkt Jesu Geburt Frieden. Und das, ob in einem dreckigen, dunklen Stall oder an den Schusslinien des ersten Weltkriegs – Weihnachten verbindet; Jesus verbindet. Dieses Ereignis geschah heute vor 107 Jahren, und auch heute können wir die Waffen niederliegen und zusammen besinnlich das Wichtigste feiern, was wir haben.


Frohe Weihnachten wünscht euch die Redaktion des Newspagers.


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